Cocktails ohne Molotow
Es hat enorme Vorteile, wenn man sein Dasein in einem kleinen thüringischen Städtchen fristet, und nicht etwa in der Berliner Metropole, explizit in deren Stadtteil Kreuzberg, denn so war unser gestriges Straßenfest ein sehr gelungenes; es brannten weder Autos, sondern nur der Grill, man schlug auch keine Polizisten, sondern nur einander auf die nachbarlichen Schultern.
Auch ist es erstaunlich, welche Berge von Lebensmitteln spontan angehäuft werden, sobald die Losung ausgegeben ist, dass doch jeder Nachbar mit einer kulinarischen Beigabe zum Gelingen des Straßenfestes beitragen soll. Denn hier liegt der Teufel im Detail: man bereitet Speisen für möglichst ALLE Nachbarn vor, denn es gilt mit der eigenen Kochkunst denkbarst viele Mäuler zu stopfen, auf dass diese es im Laufe der nächsten Wochen im ganzen Ort verkünden. Gute Köche sind nämlich – im Gegensatz zu Vorwerkvertretern – an jeder Türe gern gesehen. So bereitete ich also einen Tomatensalat aus einem gefühlten Doppelzentner unter italienischer Sonne gereifter Früchte. Nun kann man sich gewiss vorstellen, dass, wenn jeder Nachbar sämtliche Nachbarn zu bekochen gedenkt, die enorme Problematik eines gewaltigen Überangebotes entsteht, denn die Vernunft sagt einem doch, dass niemand mehr Speisen bereiten sollte, als eine einzelne Person ohne gesundheitliche Schäden verzehren kann. Wenn aber – bei geschätzten 30 Gästen – ein jeder auch noch die anderen 29 Gäste mit verköstigen will – so biegt sich die improvisierte Tafel unter ungefähr 900 Portionen.
So gab es, außer meinem Doppelzentner Tomatensalat, haufenweise Bratwürste, Schwärme von gegrillten Forellen, unzählige Schüsseln mit Salaten aus Nudeln, Schüsseln mit Salaten mit Thunfisch, Bleche voller überbackener Kartoffeln, noch mehr Schüsseln mit Salaten mit Nudeln, scheinbar ganze Felder aus eingelegten Früchten, und zuhauf köstliche Dinge, deren Namen mir nicht geläufig sind. Von den Kuchen und anderem süßem Gebäck, welches wir bereits zur Kaffeezeit verzehrten, ganz zu schweigen. Gleichfalls hier unerwähnt, die Seen von geistigen und ungeistigen Getränken.
Freunde, wenn das DIE Krise ist, so kann sie von mir aus jedes Jahr kommen!
Und hier noch mein Rezept für den Tomatensalat, an welchem die Nachbarschaft noch ungefähr bis in den September hinein zu fressen hat.
Man nehme:
Tomaten
Joghurt pur
Hirtenkäse
Olivenöl
Italienische Kräuter (getrocknet)
Knoblauch (reichlich!)
Zwiebeln
Salz
Pfeffer
Die Tomaten in Scheiben bzw. Stücke schneiden. (Ich überlasse diesen Arbeitsgang zumeist meiner Gattin, da diese stetig bemängelte, ich würde die Tomaten nicht klein genug schneiden. Hätte ich dies eher gewusst, hätte ich die Früchte gar im ganzen Stück versalatet!) Die geschnittenen Tomaten nun in eine GROSSE Schüssel schichten. Darüber den zu kleinen Würfel verarbeiteten Hirtenkäse.
Zum Dressing:
Den Joghurt in ein möglichst geräumigen Becher geben. Die klein geschnittene Zwiebel hinzugeben. Die klein geschnittenen Knoblauchzehen ebenfalls. Dazu die Kräuter, Salz und Pfeffer. Alles mit reichlich Olivenöl auffüllen. Nun den Pürierstab hinein und rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr! Die so entstandene aromatische Flüssigkeit über die Tomaten samt Käse gießen und umrühren. Fertig!
Ein Ziehen des Salats über ein bis zwei Stunden, lässt die Aromen der verschiedenen Zutaten einander gewöhnen und schlussendlich sich paaren, um die Geschmacksknospen der Gäste an den Rand des Wahnsinns zu treiben!
Und natürlich ist man nun für die nächsten seiner Tage von derbstem Geruch gezeichnet. Was aber in meiner Straße keinerlei Grund für brennende Autos hergibt. Wir können uns nämlich alle gut riechen.
PS: Die nächste meiner Kolumnen findet ihr in Kürze auf:
www.metalimpetus.de!
24. August 2009 um 9:08
Kleiner Tipp: Zwiebeln vorher leicht in Butter andünsten. Dann schmeckt es doppelt so gut. Da schafft Jeder leicht 4 Portionen.