Archiv für August 2009

Was ich mir schon immer mal aufs Shirt drucken lassen wollte (26)

Mittwoch, 12. August 2009

Die Lebenshaltungskosten sind nur deshalb so hoch,

damit du am Ende deines Lebens nicht das Gefühl hast,

vollkommen für umsonst gelebt zu haben.

Bauklötzer bis zum Abwinken

Montag, 10. August 2009

Wenn es tatsächlich stimmt, das nur Kinder dazu in der Lage sind, über die Welt und die Dinge darin zu staunen, so befinde ich mich – allen bereits ergrauten Haaren und meiner altersbedingten gebückten Haltung einen ausgestreckten Mittelfinger zeigend – wahrscheinlich kurz vor meiner Einschulung. Wenn nicht gar vor meinem ersten Zahnen. Denn wenn ich auch den Zenith meines Lebens augenscheinlich schon weit hinter mir gelassen habe, so habe ich mir dennoch jenes kindliche Gemüt bewahrt, welches einen dazu befähigt Bauklötzer zu staunen. Genauer gesagt: ganze Berge von Bauklötzern, die mich dazu ermächtigen zu behaupten, dass die dänische Firma LEGO – was deren Ausstoß an Bauklötzern betrifft – gegen mich nur ein mittelständisches Unternehmen am Rande zur stetig drohenden Insolvenz ist.

Was mich insbesondere erstaunen lässt ist die Fähigkeit des Menschen, seinen Lebensunterhalt unter anderem damit zu verdienen, die begrenzten Ressourcen seines Heimatplaneten dahingehend zu verschwenden, indem er daraus Dinge produziert bzw. produzieren lässt, die einem jeden vernünftigem Verwendungszweck in den knochigen Arsch treten.

Nehmen wir zum Beispiel die gestrige Postwurfsendung eines landesweit tätigen Lebensmittel-Discounters, welcher nicht nur durch die Überwachung seiner Mitarbeiter sehr, sehr dunkel glänzt, sondern auch durch seine wöchentlich wechselnde Angebotspalette. Denn diese hat immer und immer wieder das Zeug dazu, kritische Kunden Woche für Woche stirnrunzelnd und in gedrückter Erwartung vorm Briefkasten ausharren lassen. Und dieses in Falten legen der Kundenstirn – plus Zögern vorm Griff in den Briefkasten – wird zumeist eben ausgelöst durch die Bewerbung von Produkten, die außer der Befähigung eben jene Stirnen zu kräuseln, keinen weiteren Zweck zu haben scheinen.

Auch der farbenfrohe Prospekt, welcher gestern meinen Briefkastenschlitz tief penetrierte, gab wiederum Produkte zum Besten, die zwar erneut vom explosivem Erfindungsdrang des modernen Menschen, wenn es darum geht, anderer Menschen Geld unblutig zu ergattern, kündeten, aber außer meinem Staunen diesbezüglich nur das Prädikat “bescheiden” verdienten. Werfen wir also einen kurzen harten Blick auf das Duschbrausenset von Seite 3. Vorneweg möchte ich kundtun, dass ich Duschbrausen sehr wohl zu schätzen weiß. Gerade nach einem dreitägigem Aufenthalt auf einem Metalfestival, welches nicht nur mit vorzüglich kräftiger Musik, sondern auch mit kräftigen Temperaturen aufwartete, gibt es so gut wie nichts auf dieser Welt, welches ich gleichfalls sehr lautstark zu lobpreisen bereit wäre. Von gewissen Praktiken, welche meinen durch die Jahre leicht gallig gewordenen Ehealltag zu versüßen verstehen, die ich hier aber nicht bereit bin für lau zu offenbaren, einmal abgesehen. Wenn ich nun aber durchaus dazu in der Lage bin, den Sinn und Zweck von Duschköpfen zu erkennen und mit verbalen Standingovations zu bejubeln, so ist es mir aber keineswegs gegeben zu erkennen, welcher Zweck wohl dahinter steckt, wenn der Duschkopf von Seite 3 angeblich mit folgenden Ausstattungsmerkmalen versehen wurde:

-Normalstrahl
-Regen
-Normalstrahl und Regen
-Massage
-Massage und Normalstrahl.

Während ich dem Begriff “Normalstrahl” nicht viel entgegenzusetzen habe, da ich glaube, diesen schon aus dem Munde meines Urologen vernommen zu haben, so befällt mich bei den Begriffen “Regen” und “Massage” im Zusammenhang mit einem Duschbrausenset doch eine gewisse Skepsis. Wikipedia erklärt Regen nämlich wie folgt:

Der Begriff Regen bezeichnet die am häufigsten auftretende Form flüssigen Niederschlags. Im Gegensatz zum gefrorenen Niederschlag (z. B. Hagel, Graupel oder Schnee) besteht er zum überwiegenden Teil aus Wasser, welches infolge der Schwerkraft in flüssiger Form aus Wolken auf die Erde fällt. 

Und zu Massage bietet Wikipedia folgende Erläuterung:

Die Massage dient zur mechanischen Beeinflussung von Haut, Bindegewebe und Muskulatur durch Dehnungs-, Zug- und Druckreiz. Die Wirkung der Massage erstreckt sich von der behandelten Stelle des Körpers über den gesamten Organismus und schließt auch die Psyche mit ein.

Denn nun stellen sich mir folgende Fragen:

1. Wie bekommen sie verdammt noch mal Wolken in den Duschkopf hinein?
2. Wenn das Duschen die Reinigung der Psyche einschließt, handelt es sich dann nicht um eine Hirnwäsche?
3. Und das alles für lausige 15.99 Euro?

Ich bin erstaunt!

PS: Bauklötzer günstig abzugeben!

Wenn der Markt seine Tage hat

Montag, 03. August 2009

Geistige Arbeit wird im Gegensatz zu körperlicher Anstrengung von Herrn und Frau Otto Normal nur sehr selten geschätzt. Was möglicherweise daran liegen könnte, dass, wenn das Ehepaar Normal selbst dazu nicht in der Lage scheint, die obig benannte Arbeit zu leisten, es sich – durch diesen leidlichen Misstand bedingt – natürlich leider auch nicht denken kann, dass intellektuelle Leistungen garantiert nicht an den Bäumen und Sträuchern deutscher Mischwälder wachsen. Dabei: Extrakte aus Ginkgosamen, welche auch in deutschen Wäldern auf gleichfalls erzdeutschen Waldboden fallen, sollen ja laut umsatzgeilem Apothekerverband die Gehirne ihrer leichtgläubigen Kundschaft dank angeblich durchblutungsfördernder Wirkung zu schier übermenschlichen Leistungen anstacheln. Doch wachsen eben an Ginkobäumen keinerlei Gehirne. Und somit auf und in unmittelbarer Nachbarschaft von Lichtungen auch keinerlei lichte Gedanken.

Auch findet man Geistesgut nicht an den von vielen Händen gering Entlohnter durchflügten Wühltischen von C&A. Vielmehr ist es doch an dem, dass geistige Großtaten nur durch mehr oder weniger intensive Grübelei entstehen. Und Grübelei kann, hier spreche ich aus eigener schmerzlicher Erfahrung, sehr wohl in überaus anstrengenden unkörperlichen Leibessübungen enden. Da geht so mache Stunde leicht den Bach herunter, welcher verschwenderisch in den Fluss der Zeit mündet. Und wer erst einmal hilflos in jenem treibt, der wird nur allzu oft an den Strand gespült, welcher den recht selten vergebenen Namen Was-schon-so-spät?-Beach trägt. Insbesondere dann, wenn einem das angestrebte Produkt der ausufernden Hirntortur nicht schnurstracks in den weit unterhalb der Denkzentrale gelagerten Schoß fallen will, wie vor Hunderten von Jahren der legendäre Apfel angeblich auf Newtons Kopf. Was Isaac Newton bekanntlich zu allerlei Überlegungen in Sachen Gravitation anregte. Dies ist insofern erstaunlich, als dass sich die meisten Erdenbürger doch, sobald diese von den Früchten diverser Kernobstgewächse getroffen werden, sich viel eher Gedanken darüber machen, wer dieses Obst verdammt noch mal geworfen haben könnte, aber nicht darüber, warum dieses denn immer und immer wieder gen Boden bzw. Kopf fällt. Fallobst als Ersatz für den laut Volksmund das Denkvermögen steigernden Schlag auf den Hinterkopf als billigen Ersatz für überteuerte Ginkgoprodukte. Was nun aber keinesfalls zu der Schlussfolgerung führen sollte, dass Schrebergärten somit automatisch die Brutstätten von Intellekt und weltbewegenden Erkenntnissen seien. Ich bin seit vielen Jahren Mitglied eines Gartenvereines und gebe hiermit zu Protokoll: Zeitarbeiter, Krankenpfleger, Zeitungsausträgerinnen und eine Unmenge von Rentnern drängen sich auf unseren von Geranien und Radieschen geprägten Parzellen, aber einen Nobelpreisträger führen wir in unseren Reihen nicht! Ich selbst saß Stunden um Stunden erwartungsvoll unter meinem altersgreisen Apfelbaume, doch so, wie die überreifen Früchte fielen, fiel mir aber nichts ein. 1:0 für die gemischte Mannschaft aus Ginkgo und Schlägen auf den Hinterkopf.

Allerdings lässt mich das für allgemein hin gültige Vorurteil, dass nur körperliche Arbeit einen angemessenen Gegenwert wert sei, vollkommen kalt. Natürlich ist, wer 18 Stunden täglich von Berufes wegen einen 50-Kilo-Hammer schwingt, derart von Schweiß und stofflicher Verzweiflung gezeichnet, was so manchen Betrachter gedanklich den eigenen Kühlschrank öffnen lässt, um dass körperliche Leiden des Proleten geschwind mit kühlen Säften und ebensolchen Umschlägen zu lindern. Poeten dagegen, die von vielfältigen Gedanken zerrissen überm leeren Pergament schwitzen, lassen jeder Mann selbst im Geiste einen knickerigen Rohling sein. Was natürlich Bände spricht, da Erfrischungen, welche man nur gedanklich ausgibt, wohl kaum auf dem eigenen Konto brachial zu Buche schlagen. Was man Herrn und Frau Otto Normal nun aber nicht leichthin zum Vorwurf machen sollte. Denn im Rahmen ihrer geistigen Möglichkeiten haben sie diesen nämlich bis auf den Grund ausgeschöpft. Da stoßen selbst Ginkgo und Schläge auf den Hinterkopf hoffnungslos ins Leere. Die deutschen Medien haben eben tiefe Spuren im ehemaligen Land der Denker und Dichter hinterlassen. Verbrannte Erde im Kopf, soweit die Frequenzen von RTL2 und Konsorten tragen. Dies soll aber keineswegs entschuldigend wirken. Der Besitz eines Fernsehapparates muss nicht zwangsläufig zu totaler geistiger Entmannung führen. Und ich bin durchaus berechtigt, derlei kühne Behauptung aufzustellen, da ich nicht nur Kleingartenbesitzer, sondern ebenso auch Eigentümer eines Fernsehapparates bin. Dennoch hält sich meine Dämlichkeit innerhalb landesweit tolerierter Grenzen. Weder bin ich politisch entgleist, noch kleide ich mich in Gewänder längst vergangener Epochen. Das einzig Wirre an mir ist mein Haar.

Und dann und wann gelingt es mir sogar, denn einen oder anderen geistreichen Satz zu formulieren. Wobei das Attribut “geistreich” immer im Auge des Betrachters liegt. Doch schon der um 1849 dahingeschiedene Philosoph Freiherr von Feuchtersleben hat ja schließlich gewusst, dass das Licht für alle Augen da sei, aber nicht alle Augen für das Licht. Und wenn meine Gedanken dann hin und wieder doch nicht jene Premiumqualität aufweisen, um ein Ah! beim Leser zwingend hervorrufen, so reicht es aber meiner Meinung immerhin noch dazu, um sie auf dem Jahrmarkt virtueller Selbstdarstellung gratis feilzubieten. Auch wenn ich davon ausgehe, dass Herr Otto Normal samt Gattin lieber weiterhin bei KIK kaufen.