Archiv für November 2009

Gähn!

Sonntag, 29. November 2009

Das Dasein hat Nebenwirkungen. Und man gab diesen unvermeidlichen Nebenwirkungen den Namen Probleme und befand, dass sie – wenn sie fein säuberlich auf einem in Richtung Vergänglichkeit gerichteten Zeitstrahl aufgereiht – nicht mehr und nicht weniger sind als das menschliches Leben. Eine Erkenntnis, derer es keinerlei unmenschlicher geistigen Kräfte bedarf, sondern zumeist nur ein Blick in den am eigenen Hause befestigten Briefkasten, der an den meisten aller Wochentage und zudem in immer kürzeren Abständen von Rechnungen und anderem Unbill schwanger geht.

Nun liegt der Hase allerdings in jenem Pfeffer, mit welchem wir unser Leben selbst oft versalzen, auch wenn diese Aussage jeglicher Logik höhnisch ins Gesicht lacht. Doch schlussendlich sind Rechnungen leider allzu oft nur hausgemacht, da unsereins mal wieder der Werbung in die weit offenen Arme lief und kaufte, was man zwar nicht braucht, aber aus nun nicht mehr nachvollziehbaren Gründen unbedingt kaufen musste. Kein Mensch braucht eine scheißteure Espressomaschine, wo doch allein heißes Wasser und zwei, drei Teelöffel Pulverkaffee durchaus ein sehr schmackhaftes Heißgetränk entstehen lassen. Und kein Mensch braucht darauf Schaum, den man doch lieber vor dem Munde haben sollte, wenn man bedenkt, was für einen Reibach der Produzent der Kaffeepads damit macht, da dass Kilo Kaffee nun plötzlich das Zigfache kostet von dem, was man für ein abgepacktes Kilo besten Bohnenkaffees hinblättert. Somit entpuppt sich das Problem als subjektiv gefördertes, doch da aber kein Mensch gern vor der eigenen Türe kehrt, kehren wir auch diese Erkenntnis rasch unter den von flinker Kinderhand geknüpften Teppich.

Hausgemacht ist auch das Problem von Ex-Verteidigungsminister und nun auch noch Ex-Arbeitsminister Franz Josef Jung, der quasi über Nacht trotz gegenteiligen Namens ganz schön alt aussieht. Man kann es sehr unhöflich – ohne die Gefahr vollkommen falsch zu liegen – doof oder gar total verblödet nennen, dass man in Afghanistan den erfolgreichsten Luftangriff unter deutschem Kommando seit Coventry 1941 flog, und der Einzige, der davon angeblich keinen Wind, geschweige denn ein laues Lüftchen bekam, war Verteidigungsminister Franz Josef Jung. Fernab der Front ist Krieg eben nur ein beschriebenes Stück Papier. Dennoch sollte man es ab einem gewissen Verantwortungsgrade gründlichst lesen, und nicht nur die ministerielle Besoldungsliste studieren. Insofern ist es nur als konsequent zu bezeichnen, dass Jung auch den Posten als Arbeitsminister hinwarf, da man davon ausgehen muss, dass er der Einzige ist, der nicht weiß, dass Deutschland zig Millionen Arbeitslose hat. (Man stelle sich spaßeshalber sein verdutztes Gesicht vor, wenn er auf einer Pressekonferenz davon erfahren hätte!) Auch wenn “hinwerfen” nicht unbedingt die richtige Bezeichnung ist, da es in der heutigen Gesellschaft eher so ist, dass die eigenen Parteileute dem unfähigen Politiker die Macht entreißen, bevor er sie im Friendly Fire gen Bedeutungslosigkeit schickt. Das hat weit weniger mit Demokratie zu tun, als mit dem Gedanken, dass Machterhalt weit über Duzerei steht. Da wird der Parteigenosse ganz schnell zum Schwein, was den Schweinen gewiss nicht zum Lobe gereicht. Schließlich ist das Schwein ein Nutztier, doch ist es bis dato niemanden gelungen, auch nur den kleinsten Nutzen beim oder im Menschen zu finden. Auch wenn der Organspendeausweis uns anderes weiß machen will. Homo homini lupus. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Ein Wort aus dem Munde des römischen Komödienschreibers Plautus, welches von den Slums bis ins Weiße Haus nie an Geltung verlor.

Bevor ich die Planung eines erstmaligen Winterschlafes in die Tat umsetze, möchte ich noch folgendes, mir besonders am finsteren Herze liegendes erwähnen, ohne noch extra dafür Texte aus den mit rauer Haut verpackten Fingern saugen zu müssen.

1. Wenn der Deutsche Ethikrat fordert, die Babyklappen abzuschaffen, so erhebe ich gegen dieses Anliegen allerhärtesten Einspruch. Denn schließlich ist es doch seit Jahrzehnten Sitte, dass Schiffe in der Nordsee Säure verklappen, und Kinder sind – die eigene emotional gute Beziehung zum eigenen Kinde hier einmal unbeachtet gelassen – wenn sie bis zum dreißigsten Lebensjahr studieren doch auch wie Säure: sie fressen sich durch. Also verklappen.

2. Ich betrachte es keineswegs als Gottesbeweis, dass, wenn man sagt, die Welt sei bald am Arsch, sich dann auch fragen muss: an welchem denn!?

3. Wenn es laut Untersuchung von Verbraucherschützern tatsächlich stimmt, dass unser Trinkwasser zuviel Uran enthält, so enthalte ich mir nicht vor, bevor ich in den Winterschlaf verfallen zu gedenke, meiner Gattin nochmals meinen Brennstab zu zeigen. Zuwenig körperliche Zuwendung sind einer Ehe nämlich so zuträglich, wie ein Säureattentat einem Renoir.

Gute Nacht!

Mit der Stahlfeder geschrieben

Samstag, 21. November 2009

Kurz, wirklich nur kurz oblag ich der Versuchung zu kritisieren, dass ein Teil unserer Bundestagsabgeordneten in diesem Jahr im Zeitraum von Januar bis Oktober knapp 400 Füllhalter im Wert von rund 70000 Euro orderte, was immerhin einen ohne Bedenken recht stolz zu nennenden Stückpreis von circa 175 Euro pro Schreibwerkzeug ergibt. Auch wenn es mich schon gewaltig in den Fingern juckt, dazu nicht nur beiläufig zu erwähnen, dass ein einziger Abgeordneter eine monatliche “Entschädigung”* von 7668 Euro einstreicht, plus einer monatlichen Pauschale von 3868 Euro für Zweitwohnung und Wahlkreisbüro (mit Füllern?), plus 14712 Euro für Mitarbeiter, plus einer jährlichen Pauschale von 12000 Euro für laufende Kosten wie zum Beispiel Büro und EDV, was insgesamt im Jahr pro Abgeordneten nach Adam Ries also ungefähr 327000 Euro an Kosten aufwirft, wie ich heute morgen zwar vorsatzlos, aber ohne Vergnügen der Thüringer Allgemeinen entnahm. Und, um meinen frühzeitigen Kaffee wohl gleich vollends zu versüßen, dass man diese an sich schon gewaltige Summe ja mit 622 Volksvertreter multiplizieren muss, was pro Jahr dann knapp über 203 Millionen Euro ergibt. So viel kosten also 357092 Quadratkilometer Demokratie.

Sich allerdings aus der Pauschale für Büro und Kommunikation etc. sehr exquisite Füllhalter bezahlen zu lassen, wo es doch Kugelschreiber nicht nur günstig im Bürobedarfladen um die nächste Ecke zu erwerben gibt, sondern garantiert auch en masse von den zahlreichen Lobbyisten im Bundestag abzugreifen gilt**, grenzt für mich schon an eine mehr als nur deutliche Aufforderung, die Scharia in Deutschland endlich unaufgefordert einzuführen, auf dass etliche Abgeordnete demnächst nicht nur einen Füllfederhalter, sondern auch ein Paar möglichst stabiler Achselstützen brauchen, weil laut Scharia auf Diebstahl nicht nur die Amputation der rechten Hand, sondern im wiederholten Falle (wer geht nicht gerne in eine zweite Legislaturperiode?!) die Amputation des linken Fußes steht. Was mich mehr als nur eventuell an eine möglichst rasche Umschulung denken ließe, um mich alsbald im Umfeld des Deutschen Bundestages als Selbstständiger mit Fachgebiet Prothetik nieder zu lassen. Dies wäre für mich gewiss ein Sprung, und zwar kopfüber in eine Goldgrube.

Kritisieren will ich vielmehr, dass ich am heutigen Tage für vollkommen umsonst versuchte, einen Stellplatz auf einem von mir stets frequentierten Parkplatz zu erheischen, da dieser leider neben einem Friedhof liegt, und morgen ja schließlich Totensonntag ist, worauf sich heute eine nicht zu übersehende Menge von Überlebenden sich dazu entschieden hatte, ihre Dahingeschiedenen vorab mit einem Besuch zu überraschen. Mit dem Ergebnis, dass der Parkplatz noch voller war, als ein Ire am St.Patrick’s Day. Doch diesen just um Totensonntag von Nächstenliebe Befallenen möchte ich sagen: geht und kauft den Lebenden Blumen und Schokolade, aber nicht denen, die längst ruhen und vermodern. Kein Toter wird eure Liebkosungen am seit langem kalten Leib jemals zu würdigen wissen. Was man an den Lebenden versäumte, ist nach dem Tode doch nur herausgeschmissenes Geld. Oder wie ich es Stan Laurel einmal in einem alten Schwarz-Weiß-Film so treffend formulieren hörte: futsch ist futsch und hin ist hin. Fahrt und blockiert die Parkplätze um Kinos und Einkaufszentren herum und lasst diejenigen an den Friedhöfen jenen, die sie auch dann nutzen, wenn es nicht darum geht, an festgeschriebenen Tagen Ungeschriebenes zu erledigen. Und gern unterschreibe ich diese in den Ohren von an Friedhöfen hausierenden Blumenhändlern klingelnde Aussage. Man reiche mir bitte einen 175-Euro-Füllfederhalter.

*Ja, sie haben’s schon nicht leicht mit uns!

**Ob es als Korruption gilt, wenn ein Bundestagsabgeordneter Kugelschreiber von Lobbyisten annimmt, kann ich aus fehlendem juristischem Wissen heraus nicht beurteilen. Andererseits ließe sich an der Anzahl der in der Jackentasche steckenden Kugelschreiber dann sehr gut erkennen, welcher Abgeordnete sein Volk im Namen des Volkes am meisten bescheißt. Also: Daumen hoch für Kugelschreiber verteilende Hintermänner!

Ausgetickt

Dienstag, 17. November 2009

Mich dünkt, in mir klafft eine gewaltige Wissenslücke. Da ist also meiner dunkelsten Vorahnung nach in meinem Hirn ein hoffentlich nur wenige Mikrometer großes Stück Nichts, in welches unbedingt die Information hineingehören sollte, was denn zum Kuckuck wohl unter der “harten” Zeit zu verstehen sei, von der die Medien vor Tagen allesamt verkündeten, dass die Kanzlerin sie uns, also dem gemeinen Volke, für in Bälde anzudrohen geruhte. Das Aas.

Zeit, so lernte ich doch noch vor Zeiten, ist eine physikalische Größe, welche die Abfolge von Ereignissen beschreibt, ganz grob festzumachen an Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, oder auch am Kausalitätsprinzip, also dem Umstand, dass die Wirkung immer und immer und immer wieder erst nach der Ursache kommt. Zuerst also die Brust, dann erst das Bäuerchen. Erst der Unfall an der Kreissäge, dann die Berufsunfähigkeitsrente. Zuerst der ungeschützte Verkehr, danach Gonorrhoe, Herpes genitalis oder die rosenkohlähnlichen Feigwarzen. Wobei man bei letzterer Geschlechtskrankheit zu 100 Prozent davon ausgehen darf, dass dabei nicht etwa eine geschmackliche Ähnlichkeit zum benannten Kreuzblütengewächs, sondern viel mehr die optische Verwandtschaft als Namenspatron herhalten musste. Doch es bleibt bei der Tatsache, dass erst ein erotisches Techtelmechtel ohne jegliche künstliche Barrieren stattfinden muss, bevor der Bereich des Schrittes eventuell zum Gemüsebeet mutiert. Kausalität eben.

Zeit ist somit nur ein Begriff, an dem wir unsere eigene Vergänglichkeit festmachen dürfen oder zwanghaft müssen. Doch ist die Zeit aber meiner Meinung nach keineswegs körperlich, wie es die Kanzlerin, die ja von Berufes wegen eigentlich gar nicht Kanzlerin, sondern nur promovierte Physikerin ist, und es somit doch eigentlich sehr viel besser wissen müsste, uns weismachen will. Zeit ist weder hart, noch ist sie weich. Sie ist auch nicht flauschig wie die Schmusedecke von Linus oder rau wie man es von so manchen Beinen behauptet. Das Einzige, was ich über die Eigenschaften der Zeit sagen kann, ist, dass sie einem manchmal verdammt lang, aber ebenso oft sehr kurz vorkommen kann. Dem Spiegeltrinker, dessen Alkoholblutspiegel  um 7.30 Uhr in der früh bedenklich nah gen Null tendiert, dem wird die halbe Stunde bis Öffnung des Getränkemarktes so lang wie der Dreißigjährige Krieg vorkommen. Seiner co-abhängigen Frau dagegen die halbe Stunde, die ihr dem Alkohol seit Jahren anheim gefallener Ehegatte nun an die Scheibe des Getränkemarktes trommelt, so kurz wie ein Wimpernschlag. Alles, insbesondere die Zeit, ist eben relativ, wie schon ein gewisser Albert Einstein – vielen Deutschen leider nur von Briefmarken bekannt – dank fast schon ans Strafbare heranreichendes Kopfzerbrechen herausfand. Und laut dieser Alles-ist-eben-realtiv-Theorie vergeht die Zeit in Nähe großer Massen zudem viel langsamer, was auch erklärt, warum vielen Bundesbürgern die Zeitphase von Helmut Kohls Kanzlerschaft quasi unendlich erschien. Die Erklärung dieses Effektes indes verlangt ein Vorstellungsvermögen, welches dem Durchschnittsmenschen nicht mal neben die, geschweige denn in die Wiege gelegt wurde. Die Mehrzahl deutscher Arbeitnehmer glaubt nur, dass Zeit Geld wäre, da sie ja schließlich auch ein Stundenkonto haben. Ha!

Und ich bleibe dabei: die Zeit kann eben so wenig „hart“ sein, so wie man die Bewegungen von Fußgängern und Autos in Darmstadts Straßen nicht als Analverkehr bezeichnen darf. Darum von diesem Platze aus mit sehr hoch erhobenem Zeigefinger: Angela! 6! Setzen!