Ausgetickt
Mich dünkt, in mir klafft eine gewaltige Wissenslücke. Da ist also meiner dunkelsten Vorahnung nach in meinem Hirn ein hoffentlich nur wenige Mikrometer großes Stück Nichts, in welches unbedingt die Information hineingehören sollte, was denn zum Kuckuck wohl unter der “harten” Zeit zu verstehen sei, von der die Medien vor Tagen allesamt verkündeten, dass die Kanzlerin sie uns, also dem gemeinen Volke, für in Bälde anzudrohen geruhte. Das Aas.
Zeit, so lernte ich doch noch vor Zeiten, ist eine physikalische Größe, welche die Abfolge von Ereignissen beschreibt, ganz grob festzumachen an Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, oder auch am Kausalitätsprinzip, also dem Umstand, dass die Wirkung immer und immer und immer wieder erst nach der Ursache kommt. Zuerst also die Brust, dann erst das Bäuerchen. Erst der Unfall an der Kreissäge, dann die Berufsunfähigkeitsrente. Zuerst der ungeschützte Verkehr, danach Gonorrhoe, Herpes genitalis oder die rosenkohlähnlichen Feigwarzen. Wobei man bei letzterer Geschlechtskrankheit zu 100 Prozent davon ausgehen darf, dass dabei nicht etwa eine geschmackliche Ähnlichkeit zum benannten Kreuzblütengewächs, sondern viel mehr die optische Verwandtschaft als Namenspatron herhalten musste. Doch es bleibt bei der Tatsache, dass erst ein erotisches Techtelmechtel ohne jegliche künstliche Barrieren stattfinden muss, bevor der Bereich des Schrittes eventuell zum Gemüsebeet mutiert. Kausalität eben.
Zeit ist somit nur ein Begriff, an dem wir unsere eigene Vergänglichkeit festmachen dürfen oder zwanghaft müssen. Doch ist die Zeit aber meiner Meinung nach keineswegs körperlich, wie es die Kanzlerin, die ja von Berufes wegen eigentlich gar nicht Kanzlerin, sondern nur promovierte Physikerin ist, und es somit doch eigentlich sehr viel besser wissen müsste, uns weismachen will. Zeit ist weder hart, noch ist sie weich. Sie ist auch nicht flauschig wie die Schmusedecke von Linus oder rau wie man es von so manchen Beinen behauptet. Das Einzige, was ich über die Eigenschaften der Zeit sagen kann, ist, dass sie einem manchmal verdammt lang, aber ebenso oft sehr kurz vorkommen kann. Dem Spiegeltrinker, dessen Alkoholblutspiegel um 7.30 Uhr in der früh bedenklich nah gen Null tendiert, dem wird die halbe Stunde bis Öffnung des Getränkemarktes so lang wie der Dreißigjährige Krieg vorkommen. Seiner co-abhängigen Frau dagegen die halbe Stunde, die ihr dem Alkohol seit Jahren anheim gefallener Ehegatte nun an die Scheibe des Getränkemarktes trommelt, so kurz wie ein Wimpernschlag. Alles, insbesondere die Zeit, ist eben relativ, wie schon ein gewisser Albert Einstein – vielen Deutschen leider nur von Briefmarken bekannt – dank fast schon ans Strafbare heranreichendes Kopfzerbrechen herausfand. Und laut dieser Alles-ist-eben-realtiv-Theorie vergeht die Zeit in Nähe großer Massen zudem viel langsamer, was auch erklärt, warum vielen Bundesbürgern die Zeitphase von Helmut Kohls Kanzlerschaft quasi unendlich erschien. Die Erklärung dieses Effektes indes verlangt ein Vorstellungsvermögen, welches dem Durchschnittsmenschen nicht mal neben die, geschweige denn in die Wiege gelegt wurde. Die Mehrzahl deutscher Arbeitnehmer glaubt nur, dass Zeit Geld wäre, da sie ja schließlich auch ein Stundenkonto haben. Ha!
Und ich bleibe dabei: die Zeit kann eben so wenig „hart“ sein, so wie man die Bewegungen von Fußgängern und Autos in Darmstadts Straßen nicht als Analverkehr bezeichnen darf. Darum von diesem Platze aus mit sehr hoch erhobenem Zeigefinger: Angela! 6! Setzen!
18. November 2009 um 5:31
Pah. Der Albert.
(ehemaliger Mitschüler von mir)
Ich sach’ noch “Albert. Lerne was Anständiges, geh’ in die Gastronomie oder so!”
Aber nein. Statt dessen stellte der laufend (bis heute völlig unbewiesene) Theorien auf.
Aber durch das Photo mit herausgestreckter Zunge sahnte der wirklich ab ey.
Habe mal solch eine Feigwarze für das Teil daswo mann bei weibchen immer so schwierig findet gehalten ey.
19. November 2009 um 22:28
@spill: Oller Lüstling. Schleckst den holden Damen also im Genital an den Feigwarzen rum?
@Herr Peppel: Wenn sie das mit den “harten” Zeiten endlich richtig verstehen wollen, empfehle ich folgende Lektüre: http://tiny.cc/tOd5K
20. November 2009 um 9:20
@BB
Ach sooo … . Halte ich dennoch für kritikwürdig, denn in Anbetracht der Überalterung unserer Gesellschaft, graut es mich vor der Vorstellung, da spazieren lauter alte Säcke mit steinharten Erektionen durch den Park und das einzige, wozu es mangels junger Dinger nutzt, ist, dass sich die Tauben drauf setzen. Nein danke!
22. November 2009 um 11:26
Kolumnistenschwein,
Du hast mir mit Deinem Text gerade einen großen Gefallen getan.
Nachzudenken.
Nachzudenken über das was bleibt, geblieben ist:
Linus und seine Schmusedecke.
22. November 2009 um 14:16
Gern geschehen!