Gähn!

Das Dasein hat Nebenwirkungen. Und man gab diesen unvermeidlichen Nebenwirkungen den Namen Probleme und befand, dass sie – wenn sie fein säuberlich auf einem in Richtung Vergänglichkeit gerichteten Zeitstrahl aufgereiht – nicht mehr und nicht weniger sind als das menschliches Leben. Eine Erkenntnis, derer es keinerlei unmenschlicher geistigen Kräfte bedarf, sondern zumeist nur ein Blick in den am eigenen Hause befestigten Briefkasten, der an den meisten aller Wochentage und zudem in immer kürzeren Abständen von Rechnungen und anderem Unbill schwanger geht.

Nun liegt der Hase allerdings in jenem Pfeffer, mit welchem wir unser Leben selbst oft versalzen, auch wenn diese Aussage jeglicher Logik höhnisch ins Gesicht lacht. Doch schlussendlich sind Rechnungen leider allzu oft nur hausgemacht, da unsereins mal wieder der Werbung in die weit offenen Arme lief und kaufte, was man zwar nicht braucht, aber aus nun nicht mehr nachvollziehbaren Gründen unbedingt kaufen musste. Kein Mensch braucht eine scheißteure Espressomaschine, wo doch allein heißes Wasser und zwei, drei Teelöffel Pulverkaffee durchaus ein sehr schmackhaftes Heißgetränk entstehen lassen. Und kein Mensch braucht darauf Schaum, den man doch lieber vor dem Munde haben sollte, wenn man bedenkt, was für einen Reibach der Produzent der Kaffeepads damit macht, da dass Kilo Kaffee nun plötzlich das Zigfache kostet von dem, was man für ein abgepacktes Kilo besten Bohnenkaffees hinblättert. Somit entpuppt sich das Problem als subjektiv gefördertes, doch da aber kein Mensch gern vor der eigenen Türe kehrt, kehren wir auch diese Erkenntnis rasch unter den von flinker Kinderhand geknüpften Teppich.

Hausgemacht ist auch das Problem von Ex-Verteidigungsminister und nun auch noch Ex-Arbeitsminister Franz Josef Jung, der quasi über Nacht trotz gegenteiligen Namens ganz schön alt aussieht. Man kann es sehr unhöflich – ohne die Gefahr vollkommen falsch zu liegen – doof oder gar total verblödet nennen, dass man in Afghanistan den erfolgreichsten Luftangriff unter deutschem Kommando seit Coventry 1941 flog, und der Einzige, der davon angeblich keinen Wind, geschweige denn ein laues Lüftchen bekam, war Verteidigungsminister Franz Josef Jung. Fernab der Front ist Krieg eben nur ein beschriebenes Stück Papier. Dennoch sollte man es ab einem gewissen Verantwortungsgrade gründlichst lesen, und nicht nur die ministerielle Besoldungsliste studieren. Insofern ist es nur als konsequent zu bezeichnen, dass Jung auch den Posten als Arbeitsminister hinwarf, da man davon ausgehen muss, dass er der Einzige ist, der nicht weiß, dass Deutschland zig Millionen Arbeitslose hat. (Man stelle sich spaßeshalber sein verdutztes Gesicht vor, wenn er auf einer Pressekonferenz davon erfahren hätte!) Auch wenn “hinwerfen” nicht unbedingt die richtige Bezeichnung ist, da es in der heutigen Gesellschaft eher so ist, dass die eigenen Parteileute dem unfähigen Politiker die Macht entreißen, bevor er sie im Friendly Fire gen Bedeutungslosigkeit schickt. Das hat weit weniger mit Demokratie zu tun, als mit dem Gedanken, dass Machterhalt weit über Duzerei steht. Da wird der Parteigenosse ganz schnell zum Schwein, was den Schweinen gewiss nicht zum Lobe gereicht. Schließlich ist das Schwein ein Nutztier, doch ist es bis dato niemanden gelungen, auch nur den kleinsten Nutzen beim oder im Menschen zu finden. Auch wenn der Organspendeausweis uns anderes weiß machen will. Homo homini lupus. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Ein Wort aus dem Munde des römischen Komödienschreibers Plautus, welches von den Slums bis ins Weiße Haus nie an Geltung verlor.

Bevor ich die Planung eines erstmaligen Winterschlafes in die Tat umsetze, möchte ich noch folgendes, mir besonders am finsteren Herze liegendes erwähnen, ohne noch extra dafür Texte aus den mit rauer Haut verpackten Fingern saugen zu müssen.

1. Wenn der Deutsche Ethikrat fordert, die Babyklappen abzuschaffen, so erhebe ich gegen dieses Anliegen allerhärtesten Einspruch. Denn schließlich ist es doch seit Jahrzehnten Sitte, dass Schiffe in der Nordsee Säure verklappen, und Kinder sind – die eigene emotional gute Beziehung zum eigenen Kinde hier einmal unbeachtet gelassen – wenn sie bis zum dreißigsten Lebensjahr studieren doch auch wie Säure: sie fressen sich durch. Also verklappen.

2. Ich betrachte es keineswegs als Gottesbeweis, dass, wenn man sagt, die Welt sei bald am Arsch, sich dann auch fragen muss: an welchem denn!?

3. Wenn es laut Untersuchung von Verbraucherschützern tatsächlich stimmt, dass unser Trinkwasser zuviel Uran enthält, so enthalte ich mir nicht vor, bevor ich in den Winterschlaf verfallen zu gedenke, meiner Gattin nochmals meinen Brennstab zu zeigen. Zuwenig körperliche Zuwendung sind einer Ehe nämlich so zuträglich, wie ein Säureattentat einem Renoir.

Gute Nacht!

3 Antworten zu “Gähn!”

  1. Hans sagt:

    Hallo Kolumnistenschwein,

    es ist jetzt nicht so, dass ich Deine bevorstehende Hibernation respektlos stören möchte. Will hoffen, Du hast genügend Nüsse gesammelt und Dir gemerkt wo sie verbuddelt sind.

    Die Sache mit den Rechnungen in Deinem Briefkasten kannst Du ganz einfach lösen: Schraub ihn ab. Dann gibt es kein böses Erwachen.

    Was den Franz-Josef betrifft; dem geht es wie allen Ministern. Der hatte gar keine Ahnung was läuft, weil er die Notizen nicht gelesen hat die ihm seine Ministerialbeamten zusteckten. Letztere schmeißen den Laden und die Minister sind ohnehin nur Staffage. Damit es nach Demokratie aussieht. Franz-Josef hatte gleichzeitig die Ehre, Bauernopfer zu sein.

    Die Sache mit den Babyklappen ist ein Skandal. Egal ob sie existieren oder abgeschafft werden. In einer perfekten Welt sollte es sie eigentlich nicht geben müssen. Da sie aber nicht perfekt ist, die Welt, braucht es offenbar solche Entsorgungsmöglichkeiten. So traurig das auch sein mag. Was wir nicht unbedingt brauchen, ist ein Ethikrat der zweifellos den Boden der Realität verlassen hat und sich auf rechtliche Probleme zurückzieht.

    So, und jetzt wünsche ich Dir einen guten Winterschlaf. Und lass Dich nicht von den Flöhen beißen. ;-)

    MfG
    Hans

  2. Auge sagt:

    Und des Pudels Kern der so oft für Gewaltausbrüche als Entschuldigung benannten Perspektivlosigkeit ist mitunter auch die Werbung. Jugendliche, die in der Schule keinen Stich sehen und aus armen Verhältnissen stammen, zünden Pariser Vorort-Autos an, weil der Frust, nur eine Playstation 2 -und keine 3- zu Hause zu haben, sehr tief sitzt. Ein männliches Problem. Diese Menschen driften in die Kriminalität ab und haben meist doch den Wunsch, mit Drogen reich zu werden. Die Perspektive cooler Gangster zu sein, ist manchmal wohl die Einzige, die in Betracht gezogen wird. Das der Staat in vielen Bereichen mehr tun muss ist klar. Die Zeiten sind vorbei, wo man den Mob einfach nieder prügeln konnte. Aber das Wort “Perspektivlosigkeit” kann ich nicht mehr hören – man muss sich nur etwas weiter umschauen, um zu sehen, dass sich Menschen aus ärmlicheren Verhältnissen arrangieren mit ihrem Schicksal… Wir Alle jammern auf einem sehr hohen Niveau…

  3. Mo sagt:

    Kolumnistenschwein,
    ich komme nicht umhin anzumerken, dass ich “Babyklappen” für die beste “Erfindung” (Idee), seit Erfindung der Glühbirne, halte.
    Sie abzuschaffen wäre grob fahrlässig.
    Ich wünsche angenehmen Winterschlaf.