Blues von der versauten Genetik
Mittwoch, 11. November 2009Vielleicht liegt es ja am fehlenden Sonnenlicht, dass ich so träge an Körper und Geist mittig November 2009 vollkommen wehrlos vor mich hin gammele. Nichts, wirklich nichts vermag es, mich momentan auf- oder wenigstens auch nur sanft anzuregen. Selbst die allerorten großspurig angekündigte Schweinegrippe lässt mich nur müde vor mich hin grummeln „Nimm mich oder lass es sein!“, so wie ich es auch einer alten Gewohnheit folgend allabendlich kaum hörbar Richtung Eheweib verlautbaren lasse. Wie ein Garten, den sein emsiger Besitzer pflichtbewusst für den kommenden Winter vorbereitet hat, liege ich flach und bis in die letzte Regung abgeerntet und harre der Dinge, welche ohne mein persönliches Zutun nun kommen mögen oder auch nicht. Selbst wenn vor meiner Haustüre ein dreißigköpfiges Taliban-Selbstmord-Kommando stehen würde, mit der marktschreierischen Aufforderung, mich ihnen dick sprengstoffummantelt anzuschließen, um mich mit ihnen gemeinsam vorm deutschen Wirtschaftsministerium samt Rainer Brüderle in die Luft zu sprengen, um darauf im Himmel mit circa 70 leckeren Jungfrauen mit allen erdenklichen Körbchengrößen belohnt zu werden: ich würde auf dem Sofa liegen bleiben. Auch wenn ich wenig verschämt zugeben muss: das mit dem Brüderle lockt mich schon ganz immens.
Nun ist so eine körperliche und geistige Totalverweigerung nicht zwangsläufig in jedem Falle unangenehm, ganz im Gegensatz: sich regen bringt zwar Segen, aber auch das süße Nichtstun hat mir bis dato nichts Gegenteiliges eingebracht. Seinen Kopf zu schonen – explizit dessen breiigen Inhalt – also an nichts weiter denken zu müssen als vielleicht die Titten von Barbara Schöneberger, das ist doch auch weit gesünder, als immer nur zwischen philosophischen Fragen, physikalischen Geheimnissen und Allmachtsfantasien gedanklich hin und her zu pendeln. Wobei die Allmachtsfantasien mit den Jahren ja auch stetig immer schwächer wurden, weil ich irgendwann ja begriff, dass nicht das Führen der Weltbevölkerung das ganz große Problem wäre, sondern das leidige wohin. Denn wenn man selbst zur zu führenden Spezies gehört, ist man ja zwangsläufig mit der gleichen geistigen Unzulänglichkeit ausgestattet, was wiederum bedeutet, dass kein einziger Mensch sich mangels Intellekt dazu berufen fühlen darf, andere Menschen wohin auch immer führen zu wollen. Außer es findet sich vielleicht mal irgendjemand, der mich zu Barbara Schöneberger führt.
Denkfaulheit ist eben bei weitem nichts so schädlich, wie sein Hirn Tag für Tag an den Unzulänglichkeiten des Seins abzuwetzen. Wer von morgens bis abends darüber grübelt, wieso und warum es verdammt noch mal eben so ist wie es eben ist, der kommt doch mangels Lösungen zu keinem auch nur halbwegs befriedigenden Ergebnis, verschwendet nur massig Energie, während all die grobgeistigen Deppen billigbiersaufend sich am Leben laben und hinterm Getränkemarkt fröhlich Inzucht feiern. Und selbst wenn mir der Sinn ganz und gar nicht danach steht, mich an meinen überreifen Cousinen zu vergehen und auf diese Unart mit Bier in Plastikflaschen bis zur Besinnungslosigkeit anzustoßen: es wäre sicherlich allemal angenehmer, als nächtens schlaflos und über Tage sowieso über die Probleme dieser Welt nachzudenken. Und wer von meinen Lesern sich an seinen überreifen Cousinen vergeht und auf diese Unart mit Bier in Plastikflaschen bis zur Besinnungslosigkeit anstößt, und mir dazu bestätigen kann, dass dieses weit angenehmer ist, als nächtens schlaflos und über Tage sowieso über die Probleme der Welt nachzudenken, der lasse es mich bitte wissen.
Denn Billigbier gibt’s um die Ecke. Und meine Cousine auch.
