Schlafstörung (2)
Ich träumte, ich höre das Geräusch, welches der Außenspiegel meines Fahrzeuges macht, wenn er, von einem Fußtritt vom Chassis getrennt, aufs Straßenpflaster knallt, doch stellte just im Moment meines Erwachens fest, es war gar kein Traum, sondern beinharte Realität.
Nun könnte man sagen, da hätte ich doch noch verdammt großes Glück im Unglück gehabt, denn es wiegt doch, mit Blick auf die Rechnung der nun aufzusuchen müssenden Werkstatt, gewiss noch weitaus schwerer, wenn der Außenspiegel indes noch am korrekten Platze gewesen wäre, der Rest des Autos hingegen aber gewaltsam entfernt. Wer aber zu solch einer abenteuerlichen Annahme neigt, der sollte sein Gedächtnis doch bitte umgehend einmal darauf hin prüfen lassen, ob darin eventuell die Erinnerung gefangen sei, dass er jemals einen Außenspiegel an irgendeinem x-beliebigen Straßenrand ohne Auto habe in der Luft hängen sehen. Ich prophezeie, da kann man sich dumm und dämlich im Erinnerungsvermögen suchen: solch einen physikalischen Schlamassel ließe selbst eine bis zur Oberkante Unterlippe volltrunkene Mutter Natur nicht zu.
Zu ließ sie hingegen, dass mir gegen Sonntagmorgen der linke Außenspiegel fehlte, was jedermann, der sich schon einmal freiwillig oder des Berufes wegen in den morgendlichen Straßenverkehr warf, wohl eher als Nachteil, als denn als großen Vorteil betrachtet. So auch ich.
Nachteilig empfand ich auch die Frage des Kriminalbeamten, der sich samt Kollegen die Mühe eines Hausbesuches machte, um den geräuschintensiven Fall des Spiegels als Fall aktenkundig zu machen. Die Frage lautete nämlich, ob ich mir vorstellen kann, wer denn zu solch einer Missetat durch mich inspiriert gewesen sein dürfte. Nun, ich bin beileibe nicht, was man einen Leisetreter nennt. Das, was gesagt werden muss, wird gesagt, so dass, wenn ich dereinst den Löffel abgegeben habe, in meinem Totenschein keinesfalls nachzulesen sein wird, ich sei an akutem Herzdrücken verendet. Und meine Rhetorik ist, was man zuweilen “sehr direkt” nennen darf. Aber nur diejenigen, denen die Unterschiede zwischen Impertinenz und Ironie unbekannt sind, neigen dazu, mir Unhöflichkeit vorzuwerfen. Auch ist es gewiss so, dass ich zuweilen Gedankengänge freigebe, die zu verschraubt und zu verwinkelt sind, so dass der Empfänger dieser Verbalitäten durchaus glauben mag, ich wolle ihn durch diese obskuren Wortgebilde verwirren, dabei ist die Verwirrtheit obgleich dieser Gedanken ganz meinerseits. Doch sollte dies alles nicht dazuführen, dass man sich am Eigentum eines ohne Blatt vorm Mund durchs Leben Gehenden vergreift, nur weil man sich vielleicht einmal wahrheitsgemäß beim Namen genannt fühlte. So musste ich, was die Neugier der Beamten betraf, passen, wie auch diese höflich passten, als ich ihnen das noch warme Weihnachtsgebäck meiner Gattin anbot, die sich wie jedes Jahr bemühte, vorweihnachtlichen Glanz zu verbreiten, auch wenn dieser zumeist nur als Geruch daherkommt.
Doch, so sagte ich mir, scheint in dieser Welt noch nicht alle Moral und Ethik verloren, denn wo Beamte weißmehlhaltiges Naschwerk ablehnen, da ist noch Hoffnung, da ist noch Optimismus, der ungebrochene Glaube an eine lebenswerte Zukunft. Denn ganz gleich wie ungemein schäbig es auch ist, unbescholtenen Mitbürgern den Außenspiegel vom KFZ zu treten, so ist es doch noch um vieles dreister, wenn derart geschädigten Bürgern in der Vorweihnachtszeit zudem noch das Backblech leer gefressen wird.
18. Dezember 2009 um 9:16
oh muntere polizeibeamte … tolle sache: als ich einmal mitten in der nacht von einem lauten glasbrechenden geräusch bei uns auf der strasse geweckt wurde und mit schlafsand verklebten äuglein nach draussen spähte entdeckte ich jemanden wegrennen, die darauf informierte polizei war 5 minuten später wirklich da, wollte aber nicht nach oben kommen (2. stock) sondern ich musste mitten in der nacht mich anziehen und nach unten dackeln … die gute alte bürgerpflicht wurde hier mal eben etwas ausgedehnt
18. Dezember 2009 um 12:59
Das kenne ich, das mit dem dackeln. Ich habe auch kurze Beine.
18. Dezember 2009 um 15:41
Wie die Lügen. Die haben auch kurze Beine. Ist der Umkehrschluss, Dackel seien Lügengespinste, vertretbar?
18. Dezember 2009 um 16:59
Wären Dackel Lügengespinste, so wäre dieser Umstand sehr schade. Schließlich steht Dackel bei mir dies Weihnachten auf der Menü-Liste.
19. Dezember 2009 um 12:08
Hallo Kolumnistenschwein,
war gestern Abend auf der Firmenweihnachtsfeier. Deshalb kann ich dem Trialog hier nicht so recht folgen. Oder ist es nur ein Dialog mit wechselnden Gesprächspartnern?
Ein verlogener Dackel hat Dir mit seinen kurzen Beinen den Außenspiegel abgetreten. Richtig? Ok, dann fährst Du Lamborghini oder Ferrari. Da kann so ein Dackel schon mal an den Spiegel rankommen. Aber dann ist es aus meiner Sicht eine völlig falsche Maßnahme den Polizisten frisch gebackene Plätzchen anzubieten. Ein gut abgehangener Dackel wäre das richtige Angebot gewesen. Mann, hab ich einen Brummschädel.
Andererseits hast Du ja noch Glück. Stell Dir vor, der Spiegel wäre noch dran, aber der Wagen liegt drauf. Umgestoßen von einem Rudel verlogener Dackel mit kurzen Beinen. Ich leg mich wieder hin.
MfG
Hans
19. Dezember 2009 um 12:55
Hallo Hans,
wirklich schlimme Brummschädelgedanken deinerseits. Wirklich schlimm.
MfG
KS
21. Dezember 2009 um 15:03
Die Situation kenne ich zur Genüge.
Hast Du Teilkasko, zahlt die Versicherung, wenn die Spiegel nicht nur ab, sondern auch noch weg sind. Weil es dann Diebstahl und nicht nur Idiotie ist. Da unsereiner aber nur eine alte Schüssel fährt, wo der Spiegel keine 800 wie bei einigen Upper-Class-Fahrzeugen, sondern 150 Euro kostet, zahlt die Versicherung natürlich nicht, schließlich hat man 150 Euro Selbstbeteiligung…