Im Hubraum geschrieben

Wenn es draußen der Jahreszeit entsprechend kühl und man so also gezwungen ist, die Zeit vor und zwischen den Feiertagen in den eigenen vier Wänden mit Müßiggang zu füllen, weil, man kann ja nicht ständig putzen oder essen, so ist dies auch die Zeit der auf dem Sofa erdachten Ideen.

So kam mir kürzlich zwischen Frühstück und Mittag, mit hinterm Kopf verschränkten Armen auf dem benannten Möbel liegend, ein Gedanke, den man neidlos und ohne jeglichen Argwohn als hell bezeichnen sollte. Wobei ich meine erwähnen zu müssen, dass der Mensch recht selten dazu neigt, andere Menschen um deren Gedanken zu beneiden. Hat einer dieser Menschen hingegen eine neues Auto vor der Türe oder gar eine dreiwöchige Urlaubsreise in einem schweineteuren 5-Sterne-All-Inklusive-Resort fernab der gewohnten heimatlichen Tristes gebucht, so kann es schon einmal vorkommen, dass Kollegen oder Nachbarn, emotional aufgeschreckt und aufgebracht, sich innerlich die Frage stellen, wie dieses denn mit rechten Dingen zugehen mag. Eine Frage, die, wenn direkt und akustisch vernehmbar gestellt, sich in vielen Fällen recht einfach vom Neuwagenbesitzer und Teilzeitglobetrotter beantworten ließe. Denn die Antwort besteht zumeist nur aus einem Wort und lautet schlicht und einfach: Schulden.

Schulden muss man indes nicht aufnehmen, wenn es gilt Gedanken und Ideen zu haben, weil, sie gibt es quasi gratis, man muss nur schnell zugreifen im Schlaraffenland des eigenen Verstandes, wenn sie im Dämmerzustand eines vormittagtäglichen Dösens leise reifen und verführerisch im Vorbeifliegen sirren: Nimm mich! Wahrscheinlich ist es ja der Umstand, dass diese Ideen sich zumeist nicht als materieller Wert vor die Türe stellen lassen, so dass die Mitmenschen nur mit Desinteresse und Schulterzucken auf die auf Couchgarnituren erdachte Gedanken reagieren. Was mich dennoch nicht hindert, hiermit zu veröffentlichen, welcher Geistesblitz neulich in den Zunder meiner Tagträume schlug, auf das mir hellblaue Flammen aus den Ohren schlugen. (Der letzte Teilsatz ist natürlich nicht der Realität geschuldet, sondern weit mehr nur der sprachlichen Effekthascherei des Autors zu verdanken, welchem somit aber auch erspart bleibt, stets mit einem Feuerlöscher an seiner Seite nieder zuliegen!)

Doch nun hurtig zur Idee. Diese hat als Kern, dass man sich bei den Preisen für Kraftstoffe als Anbieter nicht an Angebot und Nachfrage orientieren sollte, sondern vielmehr am Alter der nach Normal und Super Verlangenden. Was in der Praxis in ungefähr so aussehen muss, dass man als Siebzigjähriger vielleicht nur einen Euro pro Liter bezahlt, als Fünfzigjähriger zwei Euro pro Liter und so weiter und so fort, bis dahin, dass man Achtzehnjährigen für einen Liter Kraftstoff mindestens 20 Euro pro gezapftem Liter abknöpft.

Nun, bevor man mich als geistigen Hallodri und eventuell sogar als “total durchgeknallt” bezeichnet, möchte ich auf die Nachwirkungen einer solchen Regelung verweisen, die, wenn erst mal per Verordnung eingetreten, für die Anrainer von deren Wohnzimmerfenster tangierenden Strassen, vor Positivem schier überquellt. Es ist nämlich so, dass ich seit Jahren feststelle, dass Jugendliche, denen es zwar noch an Bartwuchs, aber nicht an einem Auto mangelt, infolge des geringen Preises für Benzin dazu gedrängt scheinen, Endlosrunden innerhalb ihres Stadtteils zu drehen. Ich sah von jungen Männern in Besitz genommene Mittelklassewagen, die fuhren innerhalb von 10 Minuten fünfmal an meinem Hause vorbei. Und ich wohne nicht an der Formel-1-Strecke von Monte Carlo! Doch selten, ja noch nie, sah ich ergraute Autofahrer selbiges Verhalten an den Tag legen. Diese fahren schnurstracks in die Apotheke um altersgerechte Hilfsmittel zu erstehen und schnurstracks auch wieder nach Hause, ohne literweise Sprit und Zeit zu verplempern. Auch müssen diese keine Aufmerksamkeit erheischen, indem sie motorendröhnend im Viertel irrlichtern, denn alle Aufmerksamkeit bekommen sie von den Apothekenfachverkäufern beiderlei Geschlechts. Und wer so Umwelt und Nachbarn schont, dem sollte doch das Benzin fast geschenkt werden. Wer aber der Umwelt und den Nachbarn mit sinnloser Raserei ständig über die Nerven fährt, der sollte dafür an jeder Tankstelle Ablass zahlen. Und wenn sein Bares dann alsbald restlos verfahren, so kann er sich ja daheim aufs Sofa legen.

Vielleicht kommen ihm da auch so gute Ideen.

14 Antworten zu “Im Hubraum geschrieben”

  1. Auge sagt:

    Ich würde das Autofahren im Allgemeinen erschweren (Steuer-+Benzinkosten)und nur in Ausnahmefällen zulassen. Dafür aber einen Artikel im Grundgesetz auf uneingeschränktes Mobilitätsrecht für alle BÜRGER einfügen. Seit ca sieben Jahren hab ich kein Auto – und ich muss sagen, ich bin glücklich.
    Und zum Schluß schmeiß ich noch, weils Spaß macht, zwei Nietzsche-Textstellen unverfroren ineinander: “Die größten Ereignisse – das sind nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden. Die größten Ereignisse und Gedanken – aber die größten Gedanken sind die größten Ereignisse – das ist auch ein Maßstab, damit schafft man auch eine Rangordnung und Etikette, wie sie nottut: für Geist und Stern. –”

  2. Kolumnistenschwein sagt:

    Kein Auto?! Mein Neid sei Dir gewiss!

  3. spill sagt:

    Autos kauft man doch eh nur wg. den Nachbarn.

  4. Mo sagt:

    @ spill, in echt?
    Dann könnten die Politiker unseres Landes ja eine “Imponiersteuer” einführen.
    Nicht auszudenken, wenn das stimmt was Du meinst.

  5. spill sagt:

    Ja aber dann sollten diese vielen armen Hartz 17-Empfänger mit ihrem mickrigen 7jahre altem Porsche 911 ja auch einen quasi AusgleichsSteuerErlass bekommen doch ?
    Man könnte das so “Spottsteuer” nennen dann.
    Ach egal.
    Mit Sandwiches kann man ja auch protzen.
    Also dezidiert vor der hinterbahnhöfigen Suppenküche.

    http://scanwiches.com

  6. Herr Liebreiz sagt:

    Was denn hier los? Revolution? Schwachsinn lässt sich nicht regeln. Schwachsinn kann man nur mit Bildung bekämpfen. Die würde dazu führen, dass sich pubertierende Männchen beim mobilisierten Eierschaukeln lächerlich vorkämen und von dem nervenden Umhergeeiere ablassen würden.

    Aber ein Autoverzicht funktioniert nur für Großstädter oder Hartz-IV-beziehende Landeier ohne Motivation. Ich kann leider nicht aufs Auto verzichten, auch wenn ich gern würde. Aber ehrlich? Ich will auch gar nicht.

  7. Hans sagt:

    Hallo Kolumnistenschwein,

    sorry, wenn ich jetzt mal technisch werde: Was wäre denn mit einer Art Ariadne-Elektronik. Die könnte eine Route mithilfe von GPS aufzeichnen und bei dem wiederholten Benutzen eines Weges in der selben Richtung innerhalb von einer Stunde einfach den Motor abwürgen.

    Oder so.

    MfG
    Hans

  8. Auge sagt:

    da muss ich ihnen beipflichten, Herr Liebreiz, zumindest muss ich zugeben, dass ich großstädter bin. da klappt der verzicht prima. und diesen ganzen verkehrmist um stau und dem drumherum, mit tüv und au, und dem ärgern über die hohen literpreise, den tue ich mir nicht an. vielleicht lebe ich damit einige jahre mehr???
    aber dummheit ist die regel, sind wir doch mal ehrlich! einen testosteron-geputschten bratei ist die protzerei bis zur lächerlichkeit eine frage der ehre…

  9. Kolumnistenschwein sagt:

    @Hans
    Das ist mir zu technisch. Ich wohne in Thüringen. Hier gelten Räuchermännchen als das technische Nonplusultra.

  10. Auge sagt:

    Ich muss mal was los werden: Frohes Fest und den ganzen anderen Rest wünscht Auge! ;-)

  11. Kolumnistenschwein sagt:

    Danke! Gleichfalls!

  12. Mo sagt:

    @ spill,
    stelle Dir das mit dem “Protz-Sandwich-Gehabe” nicht so einfach vor.
    Wenn Du das nicht wirklich überzeugend rüberbringst, also dann..
    Mal angenommen: Du sitzt oder stehst als Sehender vor einem Blindenheim, um Spenden zu sammeln, unabhängig davon, ob ein Blinder überhaupt eine Spende benötigt, wie gehst Du vor?
    Indem Du mit einem Sandwich protzt?

  13. spill sagt:

    Neinnein. Ich überfahre den entsprechenden SuppenküchenSandwichTräger mit meinem lächerlichen Hartz4-Porsche, schnappe mir das Sandwich.
    Lege dann so meine Blindenbinde an, und keiner kann mir was.
    Ich meine ich habe ja nix gesehen.
    Das gibt keine Punkte in Flensburg, und mir absolut keine Schuld.

  14. Loco sagt:

    Hm. Hier stehen derzeit allmorgendlich ein Dutzend Karossen mit laufendem Motor und blasen sich die Scheiben warm, weil Herrchen zu faul oder zu arthritisch ist, den Eiskratzer zur Hand zu nehmen. Da das zu 85% Diesel sind, ist der Lärmpegel garantiert…
    Dazu kommt dann noch der Enkel, Großneffe oder andere hoffnungslose Nachwuchs, der stundenlang mit dem Trike um den Häuserblock knattert. Aber weil die Dinger so leicht sind, verbrauchen die ja quasi nix…