Archiv für Dezember 2009

Schlafstörung (1)

Sonntag, 13. Dezember 2009

Ich träumte, ich könne alles Übel dieser Welt mit einer einzigen Bewegung meiner Hand Barack Obamas Visionen folgend vom gequälten Planeten wischen, doch stellte just im Moment meines Erwachens fest, vorher dringendst Wasserlassen zu müssen.

Wie ich dann allerdings mit meinem Schwanz in der Hand vorm Klosettbecken stand um meine im Fassungsvermögen sehr engstirnige Blase zu entleeren, kam mir sehr schnell zu noch im Halbschlaf liegenden Bewusstsein, dass mir doch in diesen Tagen keinerlei Problem weiter entfernt ist, als die immerfort geführten Kriege dieser Welt, der daraus resultierende Hunger und die am Horizont ihre dürren Fäuste schüttelnde Klimakatastrophe. Denn nie, wirklich noch nie hat meine Gattin mich morgens ausgeschimpft, dass ich dummes Schwein am Konflikt in Afghanistan schuld trage, dass ich Vollidiot einen großen Anteil am fortwährenden Welthunger habe, und an den allseits bereits pubertär wütenden Wetterunbilden sowieso. Die einzige Schuld, welche mir mein angetrautes Weib nämlich in laschem Morgenlicht anzudichten getraut, ist weit geringer und betrifft nur einen ziemlich kleinen Radius ums gemeinschaftlich genutzte WC-Flachspülbecken, um dass sich angeblich immerfort markante Spuren meiner nächtlichen Stehpinkelei auf den Fliesen finden lassen würden.

Nun kann man zugestehen, dass, wo Urin die Kacheln färbt, das Blut, welches Tausende Kilometer entfernt fließt – egal wie kräftig es auch sei – vorm heimischen fahlen Gelb als Problem verblasst. Auch hier gilt nämlich der allseits bekannte Satz von dem Hemde und dem Rock und der Entfernung beider Kleidungstücke zum Träger. Soll heißen: was die Bundeswehr in Afghanistan zusammenbomben lässt, taugt noch lange nicht dazu, ansässigen hartnäckigen Harnstein zu entfernen, was die Gewichtung dieser beiden Probleme – einerseits das Errichten eines wirtschaftspolitischen Kontrollpostens in der erdölreichen Region Zentral/Südasiens und andererseits die Sauberkeit der vertrauten Toilette – in den Augen der gemeinen Hausfrau sehr ungleich ausfallen lässt. Welche Hausfrau ist auch schon mit dem Gedanken vertraut, dass ihr gebräuchlicher WC-Reiniger eventuell in einer Flasche aus synthetischem Kunststoff gehandelt wird, der seinerseits aus Rohstoffen, die bei der Verarbeitung von Rohöl anfallen, hergestellt werden muss. Somit wird am Hindukusch also nicht nur die Freiheit, sondern auch die Reinheit deutscher Haushalte verteidigt. Anders gesagt: verliert unsere Großindustrie ihren Zugriff auf die Ölfördergebiete in Zentral/Südasien, so kann die deutsche Hausfrau ihre Haushaltsreiniger alsbald in der hohlen Hand nach Hause tragen. Und da verrinnt zwischen den Fingern, was seit je her die solide Basis einer guten Ehe ist: die Symbiose zwischen Tröpfeln und Wischen. Denn wo der Mann nicht kleckst, krümelt und schweinst, da kann die Gattin ihre hausfraulichen Qualitäten nicht unter Beweis stellen und bietet somit keine Gelegenheit zum Lobe; da ist die Ehe nach nur wenigen Monaten mangels Motivation im Putzeimer. Jeder in Afghanistan gefallene deutsche Soldat ist somit also nicht nur Garant von Hygiene und strahlender Frische zwischen Klosett und Waschtisch, sondern auch für Hochzeitsjubiläen in Gold und Diamant und sollte posthum den Meister-Propper-Orden am Bande erhalten.

Vielleicht, so sinnierte ich beim Abschütteln vor mich hin, gäbe es ja gar keine Kriege um Öl, wenn ich statt im Stehen im Sitzen pinkele, da der Verbrauch von Putzmitteln in aus synthetischem Kunststoff hergestellten Plastikflaschen in meinem Haushalt dann sicherlich weitaus geringer ausfallen würde.

Welch Last für die schmalen Schultern meines Gewissens.