Ein Sonntag “Made in Bilderbuch”

An einem Sonntagvormittag wie diesem gibt es erfahrungsgemäß nicht allzu viele Probleme zu klären, wobei ich hier an dieser Stelle selbstverständlich nur für mich sprechen kann. Die Wohnung ist warm, der Kühlschrank gefüllt, wäre es andersherum, erst dann hätte ich wohl einen guten Grund zu Jammern und Klage. Überhaupt scheint mir, dass gefüllte Gefrierkombinationen und beheizte Behausungen in unseren Breiten nicht mehr ausreichend gewürdigt werden. Nicht zu hungern und nicht zu frieren gelten hierzulande als Standard, der, hier lausche man älteren Generationen oder auch dem Nachrichtensprecher, anderswo der pure Luxus scheinen. Was nicht heißen soll, den Status Quo über aller Gebühr loben zu wollen, denn stets und immer gilt es für den Menschen Besseres zu erreichen. Stagnation heißt Untergang, was man besonders gut daran sieht, wenn man sich starr wie ein Fels auf ein gut befahrenes Gleis einer ICE-Strecke stellt. Doch momentan beharre ich darauf: wenn sich dann im Kreise von Wärme und Völlerei auch noch ein breites Sofa finden, so ist, wenn man nicht neidvoll in die Hochglanzausgaben von sogenannten Lifestyle-Magazinen schielt, der Sonntag nahezu perfekt.

Natürlich gibt es hie und da noch kleinere Übel, wie zum Beispiel die Frage, ob, wenn ich mir morgens Eiersalat einverleibe, ich mir nicht quasi abgetriebenes Brathuhn aufs Knäcke schmiere. Was mich wiederum zu der Frage führt, ob es denn für Hühner auch Babyklappen gibt, die dann selbstverständlich Eierklappen heißen müssten. Auch die Werbeblätter, welche selbst in allem Kommerz weit entfernten sonntäglichen Morgenstunden von fleißigen vergilbten Raucherfingern in die Briefkästen gedrängt werden, geben mehr Fragen als Antworten. So wird auf einer vor Reiseannoncen schier überlaufenden Seite eine Reise nach China angepriesen, nur um die Große Mauer einmal mit eigenen Augen gesehen zu haben, mit dem Hinweis, dass man die Große Mauer sogar vom Mond aus sehe. Was ich natürlich als Kofferpackargument nicht durchgehen lasse, denn es ist ja nichts besonderes daran, die Große Mauer vom Mond auszusehen, da man ja schließlich auch den Mond von der Großen Mauer aus sieht.

Desgleichen die zum Verkauf anstehenden Busreisen ins sächsische Nachbarland, die locken mich nicht wirklich, was jetzt nicht daran läge, dass ich Dresden nicht reizvoll befände. Sicherlich gibt es dort so manches Schmankerl fürs Auge zu entdecken, und ohne in Scham zu versinken gebe ich zu, dass ich vor Zeiten immer dachte, „globen“ wäre sächsicher Dialekt, dabei, es ist ja nur die Mehrzahl von Globus. Daneben die angebotenen Reisen ins verschneite Bayern, um dort auf Ski und Rodel durch die Kälte zu jauchzen, die machen mich keineswegs kribbelig in den Beinen. Skisport war noch nie das meinige, auch bei den Übertragungen im Fernsehen blicke ich regelmäßig darüber hinweg. Überhaupt: was ist das denn auch für ein horrender Blödsinn: Biathlon auf Schalke. Es kommt doch schließlich auch niemand auf die Idee, Fußball auf Ruhpolding zu spielen.

So esse und lese ich mich durch den Sonntagmorgen, stelle die Heizung auf 5 und lausche den Glocken, die fernab meiner atheistischen Gesinnung um Aufmerksamkeit buhlen. Und dessen ungeachtet: wenn ich getauft wäre und strengen Glaubens, so glaube ich nicht, dass ich ein guter Kirchgänger wäre. Denn immer, wenn ich den dürren Kerl am Kreuz sehen würde, bekäme ich angesichts meines vollen Kühlschranks ein ganz schlechtes Gewissen.

Ansonsten ist alles ganz prima. Wirklich.

PS: Dieser Text enthält zahlreiche meiner unter dem Pseudonym “Kobenkruemel” veröffentlichten Tweets. Diese Zweitverwertung lässt obigen Text nicht nur durch eine außerordentlich gute Wortwahl, sondern auch mit einer sehr guten Ökobilanz glänzen. Jede Zeile ein Beitrag zur Rettung des Planeten. Blumen und materielle Präsente als Zeichen des Dankes bitte an die im Impressum stehende Adresse.

3 Antworten zu “Ein Sonntag “Made in Bilderbuch””

  1. Es Nervt sagt:

    Also wenn da Zweitverwertungen genannt werden, dürfte es eigentlich nicht in “Frischfleisch” stehen, sondern müsste in der, noch zu gründenden, Kategorie “gut abgehangen” gepostet werden.

    Und das mit der Eierklappe kann so auch nicht stimmen, denn ungewollte Kinder gibt man ja in der berühmten Babyklappe auch erst nach der Geburt ab.

    Mein Kühlschrank hat übrigens auch sowas ähnliches wie eine Babyklappe (sieht zumindest genauso aus). Wie Säuglinge darauf reagieren kann ich leider (oder zum Glück) nicht beurteilen, aber die sich hinter der Klappe befindlichen Getränkeflaschen waren bisher immer sehr zufrieden.

    achja… schöner Text zum Start in die Woche :-)

  2. Kolumnistenschwein sagt:

    Ein schöner Start zum Text in der Woche wäre mir lieber …

  3. Mo sagt:

    Und mir wäre ein absoluter Scheiß-Text als Schönstart in die Woche lieber…