Was ich mir schon immer mal aufs Shirt drucken lassen wollte (29)
Montag, 18. Januar 2010An den Geldquellen sitzen nur wenige. Für die breite Masse gibt es Wunschbrunnen.
An den Geldquellen sitzen nur wenige. Für die breite Masse gibt es Wunschbrunnen.
Am Anfang war das Wort und bei mir der Gedanke, dass Twitter wohl nur für Analphabeten gemacht sei, da die Begrenzung auf 140 Zeichen nicht gerade dazu einlädt, jemals als großer Romancier auf den Nobelpreis in Literatur hoffen zu können. Nun, ich habe mich geirrt, da Twitter gar nicht so nutzlos erscheint, wie es ja nun einmal in Wirklichkeit ist, wenn man es denn dazu nutzt, seinem Gehirn fast zwanghaft Gedanken abzupressen, um diese sofortig zu twittern, als das Hirn in permanenter Untätigkeit schmoren zu lassen, bis es so weit von aller geistigen Arbeit entwöhnt ist, dass selbst der findigste aller Mitarbeiter der Arbeitsagenturen es nicht mehr erfolgreich vermitteln könnte, weil man selbst zum Popeln zu blöde wäre. Selbst für die Zeitarbeitsfirmen wäre der Träger eines solch herunter gekommen Denkorgans vollkommen nutzlos, was schon was heißen will, denn die quetschen bekanntlich selbst aus bis auf den letzten Mast abgetakelten Körpern noch so manchen blutigen Cent. So bewahrte mich also der getwitterte Gedanke, dass man doch nicht so ein verdammtes Theater wegen Kundus machen solle, denn schließlich sei dies doch der erfolgreichste Luftangriff seit Coventry 1940 gewesen, mein Denkorgan höchstwahrscheinlich vor Hartz4.
Apropos Kundus: Mir persönlich ist nicht klar, was wir eigentlich in Afghanistan suchen, auch der Grund für das Einmarschieren in dieses staubige Land liegt längst unter den Trümmern meiner Erinnerung; kein Suchhund würde da jemals noch Spuren von ehemals eventuell logisch nachvollziehbaren Motiven finden. Manchmal glaube ich sogar, diese gab es ja gar nicht, was mich bestätigt in dem weit verbreiteten Glauben, dass Kriege nur vom Zaun gebrochen werden, wenn hinterm Zaun Bodenschätze oder fremde Religionen glänzen. Ersteres gilt es nämlich zu sichern, zweites in den Boden zu stampfen, weil, wo zweites erstarkt, ersteres angeblich dem falschen Gott in die Hände fällt. Krieg mochte ich dementsprechend noch nie. Schnee, ja, den mochte ich wenigstens als Kind. Heute mag ich anderes. Aber wann schneit es schon mal Titten?! Krieg ist und bleibt somit ungerecht, was aber nicht verwundern sollte, da ja nun einmal das ganze Leben voller Ungerechtigkeiten steckt. Meine Tochter zum Beispiel, die hat mehrere Freundinnen, und ich darf keine einzige haben. Was jetzt selbstverständlich kein Grund ist, den Kopf in den afghanischen Sand zu stecken. Denn schließlich hätte es mich auch viel schlimmer treffen können, so wie es den Herrn S. traf, denn seitdem ich seinen Sohn kenne, glaube ich nicht mehr, dass der Mensch vom Affen, sondern vielmehr, dass der Affe vom Menschen abstammt. Was ich natürlich Herrn S. nicht wegen seiner fremdländischen Nationalität ankreide, da Dummheit weltweit auf einem ziemlich gleichen Verteilungsniveau anzutreffen ist. Auch wenn ich meine, dass das Synonym „sich einen von der Palme schütteln“, durchaus auf Überfremdung schließen lässt. Vielleicht sollte man den Begriff „Palme“ einfach durch eine Deutsche Eiche ersetzen.
Aber im Grunde ist dies alles ohne Belang, denn alsbald liege ich im Grabe, wo mich derlei Menschliches hoffentlich nicht mehr berührt. Alleinig der Gedanke, dass mir in 300 Jahren vielleicht ein Archäologe zwischen den Beinen herum pinselt, macht mich etwas wuschlig. Doch bis dahin mache ich noch viele Liegestütz und meine Gattin backt. Gott möge verhindern, dass es jemals anders herum käme!
PS: Dieser Text enthält zahlreiche meiner unter dem Pseudonym “Kobenkruemel” veröffentlichten Tweets. Diese Zweitverwertung lässt obigen Text nicht nur durch eine außerordentlich gute Wortwahl, sondern auch mit einer sehr guten Ökobilanz glänzen. Jede Zeile ein Beitrag zur Rettung des Planeten. Blumen und materielle Präsente als Zeichen des Dankes bitte an die im Impressum stehende Adresse.
Ich weiß nicht, wie gefriergetrockneter Kaffee sich fühlt, glaube aber, dass sein Zustand gewiss jenem Status ähnelt, welchen mein Denken momentan eingenommen hat. Denn (an dieser Stelle mal ganz vertrauensvoll unter vier Augen!): vollkommen saftlos ist mein gegenwärtiges geistiges Geben und Nehmen, zwischen den Synapsen scheint aller Verkehr in seiner Gänze brach zu liegen, nur langweiliger Staub rieselt herab, sobald von außen derbe Reize an den Nervenbahnen rütteln. Nichts vermag mich anzuregen, nichts aufzuregen, selbst, dass sie in Dubai das höchste Gebäude der Welt aus dem sandigen Boden stampften, ließ mich außergewöhnlich kühl reagieren, aber nicht, weil ich den archetektonischen Wagemut nicht kopfnickend bewundere, sondern, weil Häuser, die begangen werden wollen, doch weit mehr in die Breite, statt in die Höhe gehen sollten.
200 Stockwerke mögen zwar auf den ersten Blick grandios wirken, machen aber sehr, sehr sauer, sobald die Frau vom Emir, welche in der 199. Etage ihr Beduinenzelt aufgeschlagen hat, frische Kamelmilch aus dem Keller holen will, die Fahrstühle aber auf Grund eines technischen Mangels ihren täglichen Brotverdienst eingestellt haben. Bis die streng verhüllte Dame dann nämlich per Pedes ihre Milch aus dem Keller geholt hat, ist nicht nur die Milch so sauer wie sie selbst, sondern der Herr Gatte längst wieder mit einer anderen Wüstentochter vermählt. Läge der Turm hingegen – was die 828 Meter Höhe ja zu 828 Meter Breite machen würde – wäre Fatima flugs an ihre Milch gekommen, da Rennkamele eine Geschwindigkeit von bis zu 50 Km/h erreichen können. Ein Tempo, dass die Kamele logischerweise nur in der flachen Ebene, aber nicht beim Treppensteigen zuwege bringen. Vorauszusetzen ist außerdem, dass die Wüstenblume einen Kamelführerschein hat.
Apropos Kamele: ohne jegliche Gefühlsregung nehme ich auch hin, dass Außenminister Guido Westerwelle Saudi-Arabien bereist, wenn man mal von der subjektiven Anwandlung einer gewissen Erleichterung absieht, welche immer äquivalent zu der Entfernung anwächst, in welcher Westerwelle sich gen Ausland aufhält. Selbstverständlich halte ich es für sehr weltfremd, dass es im Jahre 2010 noch Länder auf unserem Erdball gibt, die sexuelle Ausrichtungen mit der Todesstrafe belegen. So betrachtet ist es natürlich sehr heikel, wenn der bekennende Schwule Westerwelle in Riad schwafelnd seine ministerialen Runden dreht. So lässt sich allerdings im übrigen auch erklären, warum sein saudiarabischer Amtskollege Prinz Saud al-Feisaal auf den offiziellen Bildern stets neben Westerwelle, aber nie vor oder hinter diesem saß, wohl dem alten arabischem Sprichwort „Du erkennst nicht, was Gutes an mir ist, bis du es mit einem andern versucht hast.“ bis in die Harrwurzeln misstrauend. Auch der in Saudi-Arabien gängigen Strafart des Auspeitschens stehe ich äußerst kritisch gegenüber, besonders, wenn sie wegen sexuellen Neigungen verhangen wird, wobei ich aber der Wahrheit halber zugestehen muss, so ungefähr ein bis zwei Dutzend Peitschenhiebe wegen seiner politischen Einstellung wegen, da würde selbst ich ein Auge zudrücken, in der Hoffnung, es bringe den Liberalen Westerwelle vielleicht doch noch auf den richtigen Weg. Und wenn der Guido dann politisch geläutert und mit rechtem Blick auf die wirtschaftliche Realität aus der Fremde zurück käme, würde ich mich sogar höchsteigen anbieten, ihm den gestríemten Rücken mit schmerzstillender Salbe einzureiben. Doch garantieren kann ich dieses indes nicht. Denn wie erwähnt: ich fühle wie gefriergetrockneter Kaffee. Und wer weiß, wenn ich jetzt gleich unter die Dusche geh: vielleicht löse ich mich ja auf.