Warum ich keinen Goldbrief schreibe
Würde ein Irgendwer behaupten, ich wäre ein in Sachen Wirtschaft und Finanzen Wissender, so wäre diesem Irgendwer in punkto Menschenkenntnis ein ganz, ganz schlechtes Zeugnis auszustellen. Es ist nämlich eher so, dass mir viele Dinge der allgegenwärtigen Ökonomie – und deren dazugehörige Finanzströme – ein Buch sind, welches für mich mit weit mehr als nur Sieben Siegeln prangt. Einzig und allein, dass ich mich nicht als Einzelner weiß, was die Erklärbarkeit des gegenwärtigen Wirtschaftssystem betrifft, lässt mich die Wirtschaftsnachrichten meiner Tageszeitung mit ruhigem Auge und einem gleichmäßigen Atem aufnehmen.
Zum Beispiel die Tatsache, dass die Deutsche Bank in einem einzigen Krisenjahr 5 Milliarden Gewinn macht, ist mir genau so unerklärlich wie die Tatsache, warum die CIA eigentlich noch nie eine Terrorwarnung herausbrachte, wenn Mariah Carey mal wieder eine neue CD veröffentlicht. Sie säen nicht und sie ernten doch. Schließlich liegt das Hauptaugenmerk der Deutschen Bank nicht etwa darauf, mit der Hände Arbeit sich zu nähren, sondern auf dem sogenannten Investmentbanking. Und Investmentbanking hat recht wenig mit Blaumann und Stechkarte zu tun, denn es geht beim Investmentbanking explizit darum, mittels Wertpapiergeschäften und ähnlichem an jeglicher Moral kratzendem Tagewerk, aus viel Geld noch mehr Geld zu machen. Was natürlich wider die Natur ist, denn aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich nur sagen, dass das Geld in meinem Portemonnaie immer und immer wieder nur weniger wird, ganz gleich wie gut die Bedingungen in meiner Geldbörse auch sein mögen. Also dunkel und warm, demnach Bedingungen, die mich selbst des öfteren dazu bringen, mich der Seite unseres Doppelbettes zuzuwenden, die meine Gattin als ihren Claim abgesteckt hat. Doch Libido bei Geldscheinen ist eine noch nie beobachtete Eigenschaft. Was eben nicht dazu führt, dass in meinem Portemonnaie irgendeine Wertzeugung stattfindet, so dass die Vermutung, dass, wenn ich einen 20-Euro- und einen 10-Euro-Schein nur ganz eng nebeneinander lege, daraus ein 5-Euro-Schein erwächst, direkt ins Leere greift.
Wie also aus einem Euro zwei Euro werden, wird für immer ein Geheimnis für mich bleiben. So wie ein Aktienpaket im Wert von 100 Euro nur wertvoller wird, weil ein anderer es unbedingt besitzen muss. So gesehen besteht also die Geschäftsgrundlage der Deutschen Bank darin, nur immer ja genug Trottel zu finden, die für ein Produkt mit dem Wert A den Betrag B zahlen, welcher natürlich über A liegen muss. Und die Differenz zwischen A und B ergibt bei genug Trotteln eben mal locker 5 Milliarden Gewinn im Jahr. Was natürlich für eine ziemliche hohe Zahl von Trotteln spricht. Das da natürlich schon wieder die nächste Krise um die Ecke schielt und mit den Hufen scharrt, braucht nicht weiter hier erwähnt werden, denn ein Produkt A, welches auf Grund eines zwielichtigen Handels einen nicht vorhandenen Wert vorgibt, dass nennt man eine Blase. Und das da etwas im Börsendunkel lauert, erkennt man unter anderem daran, dass an jeder Ecke und in jedem Medium plötzlich Goldaufkäufer lauern, die sich der Tatsache längst bewusst sind, dass Wertpapiere nicht die Tinte, mit der sie bedruckt wurden, wert sind. Und gleiches gilt für Geldscheine. Und wenn die Blase dann druckvoll platzt, dann bleiben eben nur die stehen, die ihre Taschen mit ausreichend Gold beschwert haben.
Aber wie gesagt: ich bin in diesen Sachen ein Unwissender. Der Berg des Finanzwissens wird von mir nie erfolgreich bestiegen werden. Für unsereins gilt ja schon ein Venushügel als ernsthafte Herausforderung.
Und allein für den letzten Satz bete ich jetzt 10 Ave Maria.
09. Februar 2010 um 0:37
Fakt ist: Die Deutsche Bank versucht ihr (ein) Ansehen zu wahren, diesen Versuch kann man unterschiedlich bewerten.
Ich stimme Dir zu: *Und Investmentbanking hat recht wenig mit Blaumann und Stechkarte zu tun,..*
Die Deutsche Bank ist da, wo sie Kapital vermutet.
Also nicht beim “Blaumann” und auch nicht bei einem, auf staatliche Hilfe angewiesenen Menschen.
Das Leben ist nun einmal kein Zuckerschlecken.
Nur die Harten kommen in den Garten.
Geld besitzt Anziehungskraft, das ist so.
Aus welchen Gründen auch immer.
10. Februar 2010 um 1:20
Sofern Du planst, Dein finanztechnisches Wissen ein wenig aufzubügeln, empfehle ich Dir diesen Artikel (ist keine Werbung sondern wirklich etwas wissenswertes):
http://www.theintelligence.de/index.php/finanzen/42-allgemein/57-geldschoepfungwerte-aus-dem-nichts-schaffen.html
14. Februar 2010 um 19:50
@ es nervt
Danke für den Tipp!
@Rene
Habe aus Versehen deinen Kommentar gelöscht. Sorry!
14. Februar 2010 um 19:57
Hier ein Ersatzkommentar… ich weiss echt nicht mehr, was ich beitragen wollte. Aber der hier ist genauso gut.
15. Februar 2010 um 20:17
Kolumnistenschwein, Du hast aus Versehen einen Kommentar gelöscht?
Asche auf Dein Haupt, aber mächtig gewaltig!
Das darf Dir einfach nicht passieren.