Archiv für die Kategorie ‘Frischfleisch’

Achtung!

Mittwoch, 17. Februar 2010

Das Kolumnistenschwein

grunzt ab sofort auf

www.theintelligence.de

in der Rubrik

KOLUMNE

Danke für die Aufmerksamkeit!

Einmal Alles und zurück

Sonntag, 14. Februar 2010

Was es alles gibt, was ich nicht brauche! Diesen Satz äußerte laut Überlieferung der griechische Philosoph Aristoteles, obwohl dieser aller Wahrscheinlichkeit noch nicht einmal die Konsumgütermesse “Ambiente” in Frankfurt besucht hat, geschweige denn jemals auch nur in die Nähe von Frankfurt kam. Hier muss ich allerdings gestehen, dass ich keine Biografie des Aristoteles besitze oder jemals auch nur eine geborgte las. Somit fehlen mir also die Hinweise darauf, wo es griechische Philosophen in ihrer Unstet gewohnheitsmäßig hinzieht, wo sie sich demnach am Kinn kratzend Gedanken über die Welt machen. Allein aber die im Internet zusammengeschabten Informationen, welche preisgeben, dass Aristoteles bereits 322 v.Chr. starb, während Frankfurt erstmals im Jahr 794 urkundlich erwähnt wurde, macht mich glauben, dass Aristoteles und “Ambiente” sich einander ausschließen. Den Hinweis auf Zeitpfeile und die Kausalität der Zeit verkneife ich mir aber.

Nun gut: wenn schon Aristoteles aus logisch leicht nachvollziehbaren Gründen nicht zur Ambiente kam (siehe die von mir verkniffenen Hinweise auf Zeitpfeil und Kausalität der Zeit!), so war es im Jahre 2010 erstmals an mir, die weltgrößte Konsumgütermesse zu besuchen. Wenn auch – dies soll hier aber nicht als schmalschultrige Entschuldigung dienen – nicht freiwillig, sondern auf höfliches Anraten höherer beruflicher Instanzen.

Die Anfahrt aus Thüringen geriet dank fahrtechnisch ausgefuchster Kollegin zügig und ohne beidseitiger verbaler Entgleisungen, zumal die auf allen Sendern angekündigte schlechten Fahrbedingungen es wohl vorzogen, sich abseits der von uns gewählten Strecke aufzuhalten. Der der erste Eindruck zumal der wichtigste ist, fiel mir am Rande der hessischen Metropole bei erstmaliger visueller Begutachtung nur ein einziger Vergleich ein: Frankfurt ist der Guido Westerwelle unter Deutschlands Städten: eiskalt und unsympathisch. Dies mag der Frankfurter gewiss anders sehen, doch sei darauf verwiesen, dass einem aus dem Inneren der kritische Blick auf die Totale verwehrt ist. Welche Gonokokken wissen schon, dass sie im Mastdarm leben? (Gern, liebe Hessen, lasse ich mich allerdings von dem mir scheinbar entgangenen Liebreiz der Stadt Frankfurt überzeugen. All-Inklusiv-Einladungen an den Autoren richten Sie bitte an die im Impressum stehende Adresse.)

Die Ausstellung „Ambiente“ an sich monströs zu nennen, hätte das Zeug dazu, als Untertreibung des Jahrzehnts mehrfach gekrönt zu werden. Nun lässt sich trefflich darüber streiten, was der Mensch denn nun unbedingt zum Leben braucht. Und ich selbst, der doch auch in einer Branche tätig ist, die nicht das unbedingt Lebensnotwenige, sondern nur schmuckes Beiwerk zum Lebensnotwendigen produziert, stecke natürlich in einer moralischen Klemme. Denn auf den groben Punkt gebracht braucht der Mensch nur drei Dinge: eine Dach überm Kopf, ausreichend Nahrung, und einen friedvollen Nachbarn, der einem die ersten beiden Dinge ohne Neid genießen lässt. Doch alles zusätzliche, von einer bequemen Hose einmal abgesehen, macht im Sinne des Lebenserhaltes recht wenig Sinn. Ein Plasma-TV-Gerät ersetzt nicht das Dach. Und ein Engel aus Porzellan hat einen recht geringen Nährwert. Doch hier – und da kriecht mein Intellekt zu Kreuze – schließt sich der Kreis, denn ein Dach und kalorienreiche Lebensmittel müssen ja irgendwie finanziert werden, was eben auch unter anderem dadurch möglich wird, dass man Plasma-TV-Geräte und Engel aus Porzellan herstellt und feilbietet, oder auch, wie bereits leise angedeutet, das Privateste bedeckende Hosen.

Und so schrieb ich in das Fahrtenbuch: Aristoteles: als Philosoph Klassenbester. Als Wirtschaftsweiser aber allenfalls versetzungsgefährdet. Und wenn es uns auch den Planeten kostet: die Vernunft ist Lakai – der Kunde stets König. Auf das wir uns vor ihm die Knie wundscheuern.

Nachtrag: Was die asiatischen Herren in ihren Rollkoffern durch die Hallen transportierten, blieb mir ein großes Rätsel. Für einen Shinto-Schrein zu klein, für einen Vorrat an Sake hingegen von einer geradezu lebergefährdenden Größe. Was soll’s. Es gibt so viele Dinge, die ich nicht brauch.

ACHTUNG: Das Kolumnistenschwein bezieht einen neuen Stall! In Kürze wird das Schwein auf www.theintelligence.de die Rubrik Kolumne übernehmen. Näheres demnächst!

Warum ich keinen Goldbrief schreibe

Sonntag, 07. Februar 2010

Würde ein Irgendwer behaupten, ich wäre ein in Sachen Wirtschaft und Finanzen Wissender, so wäre diesem Irgendwer in punkto Menschenkenntnis ein ganz, ganz schlechtes Zeugnis auszustellen. Es ist nämlich eher so, dass mir viele Dinge der allgegenwärtigen Ökonomie – und deren dazugehörige Finanzströme – ein Buch sind, welches für mich mit weit mehr als nur Sieben Siegeln prangt. Einzig und allein, dass ich mich nicht als Einzelner weiß, was die Erklärbarkeit des gegenwärtigen Wirtschaftssystem betrifft, lässt mich die Wirtschaftsnachrichten meiner Tageszeitung mit ruhigem Auge und einem gleichmäßigen Atem aufnehmen.

Zum Beispiel die Tatsache, dass die Deutsche Bank in einem einzigen Krisenjahr 5 Milliarden Gewinn macht, ist mir genau so unerklärlich wie die Tatsache, warum die CIA eigentlich noch nie eine Terrorwarnung herausbrachte, wenn Mariah Carey mal wieder eine neue CD veröffentlicht. Sie säen nicht und sie ernten doch. Schließlich liegt das Hauptaugenmerk der Deutschen Bank nicht etwa darauf, mit der Hände Arbeit sich zu nähren, sondern auf dem sogenannten Investmentbanking. Und Investmentbanking hat recht wenig mit Blaumann und Stechkarte zu tun, denn es geht beim Investmentbanking explizit darum, mittels Wertpapiergeschäften und ähnlichem an jeglicher Moral kratzendem Tagewerk, aus viel Geld noch mehr Geld zu machen. Was natürlich wider die Natur ist, denn aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich nur sagen, dass das Geld in meinem Portemonnaie immer und immer wieder nur weniger wird, ganz gleich wie gut die Bedingungen in meiner Geldbörse auch sein mögen. Also dunkel und warm, demnach Bedingungen, die mich selbst des öfteren dazu bringen, mich der Seite unseres Doppelbettes zuzuwenden, die meine Gattin als ihren Claim abgesteckt hat. Doch Libido bei Geldscheinen ist eine noch nie beobachtete Eigenschaft. Was eben nicht dazu führt, dass in meinem Portemonnaie irgendeine Wertzeugung stattfindet, so dass die Vermutung, dass, wenn ich einen 20-Euro- und einen 10-Euro-Schein nur ganz eng nebeneinander lege, daraus ein 5-Euro-Schein erwächst, direkt ins Leere greift.

Wie also aus einem Euro zwei Euro werden, wird für immer ein Geheimnis für mich bleiben. So wie ein Aktienpaket im Wert von 100 Euro nur wertvoller wird, weil ein anderer es unbedingt besitzen muss. So gesehen besteht also die Geschäftsgrundlage der Deutschen Bank darin, nur immer ja genug Trottel zu finden, die für ein Produkt mit dem Wert A den Betrag B zahlen, welcher natürlich über A liegen muss. Und die Differenz zwischen A und B ergibt bei genug Trotteln eben mal locker 5 Milliarden Gewinn im Jahr. Was natürlich für eine ziemliche hohe Zahl von Trotteln spricht. Das da natürlich schon wieder die nächste Krise um die Ecke schielt und mit den Hufen scharrt, braucht nicht weiter hier erwähnt werden, denn ein Produkt A, welches auf Grund eines zwielichtigen Handels einen nicht vorhandenen Wert vorgibt, dass nennt man eine Blase. Und das da etwas im Börsendunkel lauert, erkennt man unter anderem daran, dass an jeder Ecke und in jedem Medium plötzlich Goldaufkäufer lauern, die sich der Tatsache längst bewusst sind, dass Wertpapiere nicht die Tinte, mit der sie bedruckt wurden, wert sind. Und gleiches gilt für Geldscheine. Und wenn die Blase dann druckvoll platzt, dann bleiben eben nur die stehen, die ihre Taschen mit ausreichend Gold beschwert haben.

Aber wie gesagt: ich bin in diesen Sachen ein Unwissender. Der Berg des Finanzwissens wird von mir nie erfolgreich bestiegen werden. Für unsereins gilt ja schon ein Venushügel als ernsthafte Herausforderung.

Und allein für den letzten Satz bete ich jetzt 10 Ave Maria.